Im Mai wurde die Trading-Strategie von den Trainern zum ersten mal seit 10 Jahren angepasst. Die Befürchtung war, dass wir sonst für weitere Wochen blockiert wären, weil die Einstiegsregeln und die Regeln für das Risiko-Management die Platzierung von Trades verhindert hätten.

Die erste Anpassung betrifft die Aufgabe der 2% Volatilitätsregel, die es „verbietet“, Trades zu platzieren, wenn die Preisrange des S&P500 am Vortrag größer als 2% war. Die Logik hinter der Anpassung ist die folgende: Wenn die Volatilität dauerhaft größer ist dann wird sie im Durchschnitt genauso oft zu unserem Vorteil wie zu unserem Nachteil arbeiten. Da wir nur Trades platzieren, wenn unsere Gewinnchancen mindestens 2,5:1 sind sollte es im Durchschnitt profitabel sein.

Die zweite Anpassung betrifft den Bezugszeitraum. Eigentlich suchen wir unsere Einstige in einem Zeitfenster von 1 Jahr. Der tiefe Krater, den der Große Lockdown hinterlassen hat, würde dazu führen, dass wir im 1 Jahres-Zeitfenster nur sehr wenige Einstiege für Long-Positionen finden. Die Strategie wurde so erweitert, dass sie auch Trades im 3-Monats und 6-Monats Zeitfenster erlaubt.

Während ich die erste Anpassung sehr gut finde, habe ich mich mit der zweiten Anpassung sehr schwer getan. Sie bedeutet aus meiner Sicht einen deutlich höheren zeitlichen Aufwand für die Analyse der Einstiege, weil sich die Ticker in diesen Zeitfenstern sehr schnell bewegen. Ein Ticker, der gestern noch ein Kandidat war, ist Stunden später „weggelaufen“. Außerdem muss das Trademanagement für Ticker in diesen Zeiträumen zwingend täglich erfolgen. Einen Tag das Trademanagement auszusetzen (was im 1 Jahreszeitfenster ok ist) ist bei 3-Monats oder 6-Monats Trades ein No-Go.

Ich bin also im Gegensatz zu vielen Kollegen beim 1 Jahres Zeitfenster geblieben und habe bewusst in Kauf genommen fast ausschließlich Shorts zu platzieren. Damit habe ich (bewusst) gegen die Regel verstoßen ein Verhältnis von 50:50 für Shorts und Longs im Trading-Portfolio zu halten. Im bin wie Viele davon ausgegangen, dass es nochmal zu einem Rutsch an den Märkten kommt. Außerdem, wenn nicht in einem Papertrading (=Übungsdepot), wann dann soll man sonst mal „All-In“ mit Shorts gehen? Seht selbst, was mir diese „Wette“ eingebrockt hat.

Depotstand am Ende von Monat 4

In die Trading Challenge die zum Ausbildungsprogramm gehört bin ich mit einem Paper-Trading Depot von 25.000 US$ gestartet. Mit diesem Depotstand sind auch meine Kollegen gestartet.

ZeitpunktDepotbestand in US$Differenz in US$
Start der ausbildungsbegleitenden Trading-Challenge am (01.02. 2020)25.000
Ende von Monat 1 der Trading-Challenge (29.02. 2020) 24.206– 794
Ende von Monat 2 der Trading-Challenge (31.03. 2020)24.662+ 456
Ende von Monat 3 der Trading-Challenge (30.04. 2020)24.729+ 76
Ende von Monat 4 der Trading-Challenge (31.05. 2020)21786-2.943
Ergebnisse der Buffalo-Trading Strategie

Gegenüber dem April hat mir der Mai einen Verlust von 2.943US$ eingebracht. Das ist das Resultat von insgesamt 17 Trades ( 13 x Shorts und 4 x Longs, 16 x 1Jahr, 1 x 6Monate).

Das ist natürlich ein Desaster wenn man sich die Entwicklung an den Märkten anschaut. Ein besonders nervender Trade hat alleine (durch ein großes Eröffnungs-Gap) für einen Verlust von rund 900$ gesorgt. Eigentlich verhindert das Risikomanagement solche Verluste bzw. begrenzt sie auf 1% des Depotwerts (damals ca. 247 US$). Aber solche Gaps können in der Realität einfach auftreten und können gerade bei hoher Volatilität nicht ausgeschlossen werden.

Insgesamt werde ich meine Trades auch noch auf handwerkliche Fehler bei der Analyse abklopfen. Ich beginne mit dem schlechtesten Trade im Mai.

Beispiel-Trade: Long (6M) auf SWM

Bei dem Beispiel-Trade für den Mai handelt es sich um einen Long im 6 Monatszeitfenster (den einzigen Trade, in diesem Zeitfenster, den ich im Mai platziert habe). Dieses mal auf die Aktie mit dem Ticker SWM. Ein schwerer handwerklichen Fehler, den ich bei diesem Trade gemacht habe, war der sehr „schwache“ erste Bounce. Das heisst, den Ticker hätte ich überhaupt nicht platzieren dürfen. Dazu kam noch das Pech, dass ich beim Einstieg ein Eröffnungsspiel-Gap hatte. Der Kauf wurde erst kurz unter dem berechneten TP ausgelöst und ist danach „schön“ zurückgefallen, bis die SL Schwelle erreicht wurde. Ein Beispiel dafür wie sich Fehler und Pech verstärken können.

Buffalo Trading Beispiel Mai 2020 SWM
Long Trade (6 Monatszeitfenster auf SWM)

Danach hatte ich erst mal die Nase voll vom 6 Monatszeitfenster.

Wie geht es mir ?

Im Mai haben mir meine Fehler und etwas Pech die „Rote Laterne“ in unserer Trainingsgruppe eingebracht. Natürlich macht sowas keinen Spaß. Eine „Ente“ würde jetzt die Flinte ins Korn werfen und die Schuld bei anderen suchen (Die Strategie ist Schuld, die Trainer haben die falschen Anpassungen gemacht, der Markt war ungünstig, „Trading ist nichts für mich“, etc…). Oder Enten würden hinschmeissen mit der Begründung, dass dann mehr Zeit für andere Investments, Familie, Job, Hobbys, Sport, Netflix, Schnitzen etc. bleiben würde.

Adler übernehmen Verantwortung und überlegen zuerst was sie selbst ändern können. Ich bin ein Adler. Das heisst aufstehen, Staub aus den Federn klopfen und aus den Fehlern lernen.

Was habe ich gelernt ?

Ich bin froh, die Erfahrung einer „All-In“ Short-Orgie in einem Übungsdepot gemacht zu haben. Eine ausgewogenere Platzierung hätte meine Verluste zumindest etwas verringert. Auch unter Zeitdruck und begrenzter Tickerauswahl darf es keine Kompromisse bei der Auswahl der Einstiege geben. Handwerkliche Fehler können sich durch „Pech“ zu großen Verlusten verstärken.

Wie war mein Zeiteinsatz ?

Gefühlt war mein Zeitansatz im Mai deutlich höher als die anvisierte halbe Stunde pro Tag und die 2 Stunden am Wochenende. Für die spätere Einordnung/Bewertung der Strategie tracke ich seit dem 1.6., meinen täglichen zeitlichen Aufwand für Tickerauswahl und Trade-Management. Im Oktober werde ich eine objektive, persönliche Bilanz ziehen.

Fazit Trading-Ausbildung Phase 2 Monat 4

Wäre es ein Echtgeld-Depot gewesen, hätte ich im Mai eine große „Spende“ an den Markt gemacht. In der Ausbildungsgruppe hatten einige ebenfalls Schwierigkeiten die angepasste Strategie umzusetzen, anderen ist es sehr erfolgreich gelungen. Die wöchentlichen Meetings der Ausbildungsgruppe sind sehr hilfreich und motivierend um von Fehlern und Erfolgen anderer zu lernen. Im Juni werde ich die Rote Laterne weiterreichen und mich weiter verbessern.

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Marco
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Marco

Kopf hoch kämpfen, erst bei ,,0,, ist aus 🙂

Patrik
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Patrik

Vielen Dank für die offene Berichterstattung zum Spielgeld-Depot, Eduard. Eventuell können die Leser daraus eigene Verhaltensmuster wiedererkennen und Fehler zukünftig vermeiden. Von Deinen 36% pro Jahr Rendite wärst Du damit ein wenig entfernt. Sicher klappt es bald schon besser. Ich wünsche Dir viel Erfolgt und Demut – das wird schon!
Für den hier umrissenen Zeitraum bin ich meinen Ziel von ca. 1% pro Monat treu geblieben und schaue auf 4,1% bei einer Margin-Auslastung von unter 30% Ende Mai.