Optionen verbuchen ist ein Thema für dich, falls du deinen Optionshandel in einer Kapitalgesellschaft wie beispielsweise einer UG oder GmbH betreibst. Eine Kapitalgesellschaft ist nämlich zur doppelten Buchführung aller Geschäftsvorfälle verpflichtet. In diesem Sinne sind das Schreiben, Kaufen und Verkaufen von Optionen Geschäftsvorfälle, die du in entsprechenden Buchungssätzen für das Finanzamt dokumentieren darfst.

Während du zu Geschäftsvorfällen wie dem Kauf / Verkauf von Aktien noch einige Informationen in der Buchhaltungsliteratur und im Internet findest, sind die Informationen zur Behandlung von Derivaten wie Optionen, Futures oder CFD dünn gesät. Auch die Anzahl von Steuerberatern, die sich in der notwendigen Tiefe mit dem Thema auskennen ist überschaubar. In diesem Artikel habe ich meine Informationen zu dem Thema zusammengetragen, um sie mit dir zu teilen.

Was ist eine Option ?

Optionen gehören zur Assetklasse der Derivate. Jedes Option hat einen sogenannten Optionsgegenstand (Underlying). Mögliche Underlyings von Optionen sind Aktien, Aktienindizes, Devisen oder andere Assetklassen. Je nach Underlying redet man daher beispielsweise von Aktienoptionen, Aktienindexoptionen oder Devisenoptionen.

Eine Call-Option verbrieft das Recht (Ausübungsrecht) des Käufers der Option den Optionsgegenstand zum festgesetzten Preis (Basispreis) vom Stillhalter des Optionsgeschäfts zu kaufen (Kaufoption, Call-Option).

Eine Put-Option verbrieft analog das Recht (Ausübungsrecht) des Käufers der Option den Optionsgegenstand zum festgesetzten Preis (Basispreis) an den Stillhalter des Optionsgeschäfts zu verkaufen (Verkaufsoption, Put-Option).

Ist das Ausübungsrecht auf einen bestimmten Zeitpunkt der Laufzeit beschränkt, handelt es sich um eine sogenannte europäische Option. Gilt das Ausübungsrecht über die gesamte Laufzeit der Option, sprechen Optionshändler von einer amerikanischen Option.

Weitere Unterscheidungsmerkmale ergeben sich aus der Lieferbarkeit des Underlyings. Während Underlyings wie Aktien tatsächlich lieferbar sind, findet bei nicht lieferbaren Optionsgegenständen ein Barausgleich (Cash Settlement) statt.

Optionen verbuchen

In den nächsten Abschnitten unterscheide ich aus Gründen der übersichtlichen Darstellung zwischen der Käuferseite und der Verkäuferseite eines Optionsgeschäfts. Als Optionshändler findest du dich selbstverständlich in beiden Rollen wieder.

Anschaffungszeitpunkt

Wenn deine vvGmbH eine Option kauft, dann ist die Option ein sogenannter entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensgegenstand. (Es gibt nämlich noch andere immaterielle Vermögensgegenstände die nicht entgeltlich erworben sein müssen wie beispielsweise eigene Patente oder Lizenzrechte).

Zur Verbuchung nach SKR03 / SKR04 kommen theoretisch sowohl die Bestandskonten „Sonstige Vermögensgegenstände“ als auch „Sonstige Wertpapiere“ in Frage. Mit VICTAR verbuche Optionen auf das Bestandskonto „Sonstige Wertpapiere Optionen“ , was ein Unterkonto von „Sonstige Wertpapiere“ darstellt.

Der Wert mit dem der Kauf verbucht wird richtet sich nach den Anschaffungskosten und entspricht daher der bezahlten Optionsprämie.

Bilanzstichtag

Falls gekaufte Optionen zum Bilanzstichtag an Wert verloren haben, muss der Wert dem niedrigeren Marktpreis angepasst werden (§275 Abs.2 Nr.12 HGB). Das passende Buchungskonto dafür ist „Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens“.

Falls gekaufte Optionen zum Bilanzstichtag an Wert gewonnen haben, gilt das Anschaffungswertprinzip. Das heisst es findet keine Wertanpassung statt.

Ausübungszeitpunkt

Wird eine Option über einen lieferbaren Optionsgegenstand ausgeübt, erhält der Optionsinhaber das Underlying. Der Basispreis geht somit in die Anschaffungskosten des Optionsgegenstands ein. Dazu kommt noch der Restbuchwert der Optionsprämie. Schliesslich war diese notwendig, um das Underlying zum Basispreis zu erwerben.

Das heisst bei Ausübung fallen zwei Buchungen an. Zum einen die Anschaffung zum Basispreis+Optionsprämie, zum anderen die Ausbuchung der Option. Auswirkungen auf den Anschaffungspreis des Underlyings haben zusätzlich noch die Transaktionskosten, die ich aber in allen folgenden Abschnitte aus Gründen der Übersichtlichkeit weglasse.

Beispiele

In den folgenden Abschnitten möchte ich möglichst anschaulich an einigen Beispielen darstellen was sich in den Bilanzen eines Käufers und eines Verkäufers einer Option verändert.

Call-Optionen

In diesem Beispiel geht es um den Kontrakt über eine Kauf-Option, die für den Käufer das Recht verbrieft die im Kontrakt benannten Aktien zum Basispreis vom Verkäufer zu erwerben.

Kaufzeitpunkt

Die Veränderungen in den Bilanzen des Käufers und Verkäufers zum Kaufzeitpunkt sind in der folgenden Abbildung dargestellt:

Optionen verbuchen: Behandlung von Call-Optionen zum Kaufzeitpunkt
Call-Option mit Aktien als Underlying zum Kaufzeitpunkt

Auf der Seite des Käufers wird die Optionsprämie für die Call-Option auf Sonstige Wertpapiere (Call-Optionen) verbucht. Das Gegenkonto dazu ist das Wertpapierverrechnungskonto in der Währung des Trades.

Auf der Seite des Verkäufers entsteht ein Ertrag aus sonstigen Wertpapieren in Höhe der Optionsprämie mit dem passenden Wertpapierverrechnungskonto als Gegenkonto.

Ausübungszeitpunkt

Die Veränderungen in den Bilanzen des Käufers und Verkäufers zum Ausübungszeitpunkt des Call-Kontrakts sind in der folgenden Abbildung dargestellt:

Optionen verbuchen: Behandlung von Call-Optionen zum Ausübungszeitpunkt
Call-Option mit Aktien als Underlying zum Ausübungszeitpunkt

Auf der Seite des Inhabers der Call-Option muss zuerst der Restbuchwert der ausgeübten Call-Option ausgebucht werden. Dieser geht in den Anschaffungspreis der Aktien zusätzlich zum Basispreis ein.

Auf der Seite des Stillhalters der Call-Option müssen die Aktien zum vereinbarten Basispreis verkauft und entsprechend aus den sonstigen Wertpapieren (Aktien) ausgebucht werden.

Put-Optionen

Die Buchungsvorgänge zum Kaufzeitpunkt einer Put-Option sind im Wesentlichen analog zum Kaufzeitpunkt einer Call-Option.

Ausübungszeitpunkt

Zum Ausübungszeitpunkt einer Put-Option erhält der Inhaber der Put-Option der Veräußerungserlöst des Underlyings zum Basispreis und liefert hierfür das Underlying. Der Veräußerungserlös wird also durch den vereinbarten Basis-Preis bestimmt. Auch hier muss der Restbuchwert der Put-Option ausgebucht werden. Dieser Restbuchwert wird vom Veräußerungserlös abgezogen.

Die folgende Abbildung stellt die Veränderungen in den Bilanzen dar.

Optionen verbuchen: Behandlung von Put-Optionen zum Ausübungszeitpunkt
Put-Option mit Aktien als Underlying zum Ausübungszeitpunkt

Fazit

In diesem Beitrag habe ich einen Überblick über die verschiedenen Aspekte der Verbuchung von Optionen gegeben, so wie ich diese als Praktiker verstehe. Wie du gesehen hast, machen die verschiedenen Rollen (Stillhalter, Käufer, Verkäufer) , die verschiedenen Arten von Optionen (europäisch, amerikanisch), die verschiedenen Geschäftsvorfälle bzw. Bewertungszeitpunkte (Anschaffung, Verkauf, Ausübung, Bilanzstichtag) und die verschiedenen Underlyings (lieferbar, cash-settled) das Verbuchen von Optionen zu einem durchaus komplexen Thema.

Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass die Anzahl von Experten, die sich mit diesem Thema in ausreichender Tiefe auskennen begrenzt ist. Selbst unter den Experten gibt es ausserdem verschiedene Auffassungen welche Verbuchung korrekt und ausreichend ist. Das heisst für die Verbuchung von Optionen gilt aus meiner Sicht durchaus zurecht die Feststellung: 3 Experten haben (mindestens) 4 Meinungen.

Ich sehe diesen Artikel als „Work in Progress“ und freue mich über Kommentare. Welche Meinung hast du zu diesem Thema? Welche Vereinfachungen sind zulässig. Wie behandelst du das Thema in der Praxis?

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Paul
Paul
1 Tag zuvor

Guter Einstieg. Sobald in meiner Immobilien-vvGmbH zuviel Cash ist plane ich das Schreiben von Puts auf Aktien, die ich attraktiv finde und wo ich mit einer Andienung gut leben kann falls der Trade nicht aufgeht (cash secured put). Das muss ich dann auch irgendwie buchen. Gibt es schon Erfahrungen, welche Buchhaltungsprogramme Optionen gut abbilden?

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