Du spielst mit dem Gedanken eine Spardosen GmbH für dich zu starten und kennst bereits die Kosten für eine Gründung? Sehr gut, dann berichte ich dir hier wie du die laufenden Kosten deiner vermögensverwaltenden GmbH optimieren kannst. Ich selbst versuche diese Kosten in den Anlaufjahren zu minimieren indem ich Aufgaben wie zum Beispiel die Buchhaltung und die Steuererklärung selbst mache. Das hat den zusätzlichen positiven Effekt, daß du Erfahrungen damit sammeln kannst, während deine Spardosen-GmbH noch klein und übersichtlich ist. Später spricht nichts dagegen diese Aufgaben abzugeben.

Verlängerung LEI

Wie ich in meinem Beitrag über die Gründung deiner Spardosen GmbH geschrieben habe, benötigt diese einen Legal Entity Identifier (LEI). Nachdem du die LEI zum ersten mal beantragt hast ist diese ein Jahr gültig und muss danach jährlich verlängert werden. Diese Verlängerung kostet mich bei der EQS 69,- Euro und ist ein weitere Posten bei den laufenden Kosten deiner vermögensverwaltenden GmbH.

Firmenkonto inklusive Kreditkarte

Deine vermögensverwaltende GmbH benötigt ihr eigenes Firmenkonto, das von deinem Konto als Privatperson getrennt ist. Außerdem ist es sehr praktisch, wenn das Konto auch noch eine kostenlose Firmenkreditkarte beinhaltet. Du kannst über diese Firmenkreditkarte beispielsweise Einkäufe für die GmbH bezahlen oder Hotelrechnungen und andere Reisekosten begleichen. Aus eigener Erfahrung kann ich dir das Geschäftskonto von Holvi empfehlen. Die Beantragung funktioniert komplett online und so unbürokratisch wie möglich. Die zugehörige Holvi-App erlaubt dir einen umkomplizierten Zugriff auf dein Konto. Da ich selbst immer beim besten Anbieter sein möchte, habe ich einen kleinen Geschäftskontenvergleich gemacht.

Firmendepot

Erfreulicherweise gibt es Anbieter, die ein kostenloses Depot für Kapitalgesellschaften anbieten. Aktuell nutze ich das Depot der comdirect. Die Kosten für Aktiensparpläne sind erfreulich gering und das Depot an sich hat keine fixe Gebühr. Die Konditionen sind also nicht teurer als für Privatkunden. Als Nachteil empfinde ich, dass es keine Wertpapierkredite zu interessanten Konditionen gibt und dass beim Kauf von Namensaktien Zusatzkosten anfallen. Außerdem zieht die comdirect die Abgeltungssteuer auf Dividenden sofort ein und du musst dir die Abgeltungssteuer über die Steuererklärung erst zurück holen. Insgesamt positiv ist, daß für das Firmendepot keine zusätzlichen laufenden Kosten auf deine vermögensverwaltende GmbH zukommen. Meine aktuellen Empfehlungen für ein Geschäftsdepot findest du hier.

Lizenz für Buchaltungs-Software

Ich verwende für meine vermögensverwaltende GmbH die Buchhaltungs-Software MonKey Office des deutschen Unternehmens ProSaldo. Nachdem du die Buchhaltungs-Software für deine Spardosen GmbH einmalig angeschafft hast, fallen typischerweise jährliche Kosten für Updates an. Meine MonKey Office Updatelizenz kostet beispielsweise 72,- Euro netto pro Jahr. Durch das Update profitierst du aber von Anpassungen an neue rechtliche Anforderungen, Verbesserungen von Funktionen und Support.

IHK-Gebühren

Als Inhaber einer GmbH bist du leider Zwangsmitglied in der IHK. Obwohl du als Inhaber einer Vermögensverwaltenden GmbH praktisch überhaupt nicht von den Dienstleistungen profitieren kannst, habe ich bisher noch keine Möglichkeit gefunden mir die Gebühr von aktuell 127,- Euro zu ersparen.

GEZ-Gebühren

Einige Monate nach deiner Gründung wird dich die GEZ mit einem Schreiben beglücken. Dieses Schreiben liest sich auf den ersten Blick so, als müsstest du als Unternehmen in jedem Fall eine Gebühr abführen. Allerdings kannst du dich von der Gebühr befreien lassen, wenn deine Spardosen-GmbH ihr Büro in deiner privaten Wohnung hat und du als Privathaushalt bereits den Rundfunkbeitrag zahlst.

Prüfung des Jahresabschlusses

Deine Spardosen GmbH wird typischerweise in der Anlaufphase als Kleinstkapitalgesellschaft (KleinstKapG) nach § 267a Abs. 1 Satz 1 HGB eingestuft. Die Kriterien sind erfüllt, wenn du mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllst:

  • Eine Bilanzsumme < 350.000 Euro
  • Einen Umsatz < 700.000 Euro
  • Weniger als 10 Mitarbeiter

Als KleinstKapG profitiert deine Spardosen GmbH dadurch von zahlreichen Erleichterungen, die das Ziel haben kleine Unternehmen von Bürokratie zu entlasten. So ist sie beispielsweise von der Pflicht befreit ihren Jahresabschluss durch einen Dritten (z.B.: Wirtschaftsprüfer) prüfen zu lassen. Das heißt es fallen keine Kosten für die Prüfung des Jahresabschlusses an.

Offenlegung des Jahresabschlusses

Ebenso ist deine Spardosen GmbH von der Pflicht zur Offenlegung des Jahresabschlusses beim Bundesanzeiger befreit. Stattdessen reicht es wenn du deinen Jahresabschluss beim Bundesanzeiger nur hinterlegst. Das geht am bequemsten über das Webformular und kostet dich aktuell 23,- Euro.

Übersicht über die laufenden Kosten

Im folgenden findest du eine Auflistung der laufenden Kosten für eine vermögensverwaltende GmbH, die ich im ersten Jahr nach der Gründung gezahlt habe. Bitte hinterlasse einen Kommentar wenn du Spielraum dafür siehst die Kosten zu senken oder aus deiner Sicht noch Positionen fehlen.

PositionBetrag (Brutto)
Gebühren für LEI-Verlängerung69,- Euro
Firmenkonto von Holvi inkl. Firmenkreditkarte0,- Euro
Firmendepot0,- Euro
Update-Lizenz für Buchhaltungs-Software86,- Euro
IHK-Gebühren127,- Euro
GEZ- Gebühren0,- Euro
Prüfung des Jahresabschlusses0,- Euro
Hinterlegung des Jahresabschlusses23,- Euro
Summe305,- Euro
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TO-LIS
TO-LIS
1 Jahr zuvor

Deine Kosten lassen sich durchaus noch etwas nach unten drücken:

– bei der Buchhaltungssoftware gibt es günstigere Alternativen (z.B. Taxpool BH Bilanz, 50,00€ p.a. / oder modifiziertes GnuCash völlig kostenlos).

– LEI lässt sich bei einigen Anbietern auch für mehrere Jahre (3, 5) im Voraus beantragen, das spart zusätzliches Geld.

– IHK-Zwangsgebühren sind wirklich ärgerlich aber mit 127,00€ liegst du im Vgl. sogar noch vergleichsweise günstig!

– GEZ-Gebühren
Die hierzu gemachten Aussagen sind m.A. nach eher nichtssagend. Denn eine GmbH ist ja nicht per se gebührenpflichtig. Besitzt sie kein eigenes, autarkes Büro – liegt Ihre Betriebsstätte also lediglich innerhalb einer (gebührenpflichtigen) privaten Wohnstätte, ist sie grds. auch nicht zur Zahlung eines eigenen Beitrags verpflichtet. Diese Regelung gilt gleichermaßen für alle natürlichen als auch juristischen Personen.

– Kosten Bundesanzeiger?
– (…)

Johannes
Johannes
1 Jahr zuvor

Schön, dass du es so aufschlüsselst. Welche Buchaltungs-Software nutzt und wie verhindert man GEZ-Gebühren?

Sebastian
Sebastian
1 Jahr zuvor

Ich habe mal zum Thema IHK Beitrag oder nicht gegoogelt…
Für eine IHK-Mitgliedschaft entscheidend darauf ankomme, dass der
Unternehmensgegenstand der Gesellschaft eine gewerbliche Betätigung zulasse.
In einigen Fällen liegt eine reine Vermögensverwaltung (z.B. GmbH NUR für Handel an der Börse Aktien, Fonds, Futures,Optionen,Forex). = ein paar Urteile mit „keine IHK“
Aber GmbH Vermögensaufbau durch Einnahem aus Vermierung, Verpachtung wurde meistens schon als Gewerbe ausgelegt. = Urteile mit „IHK Zugehörigkeit notwendig“.

Wolf
6 Monate zuvor
Reply to  Eduard

Das Sebastian die Antwort evtl. übersehen hat, hier ein Hinweis (https://www.avocado.de/aktuelles/blog/eintrag-vermoegensverwaltende-gesellschaften-sind-ihk-beitragspflichtig/) auf ein solches Urteil (https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=19.01.2005&Aktenzeichen=6%20C%2010.04).
Offensichtlich verschleiern IHK Ergebnisse von Urteilen aber gerne indem sie die Aussage des Urteils weglassen (Beispiel: https://www.frankfurt-main.ihk.de/ihk/vorstellung/beitrag/gerichtsentscheide/). Dort wird u.a. ingelassen, „Das OVG geht für die Einstufung als Gewerbebetrieb oder als Vermögensverwaltungsgesellschaft von der Eintragung im Handelsregister, hilfsweise vom Unternehmensgegenstand im Gesellschaftsvertrag aus. Auf die tatsächlich ausgeübte Tätigkeit komme es nicht an.“ – demnach sollte das Nicht-Vorliegen eines Gewerbes (hier insb. die nach außen gerichtete Tätigkeit) eindeutig aus diesen Texten hervor gehen.

Thomas
Thomas
9 Monate zuvor

Du schreibst, man würde als Kleinstkapitalgesellschaft eingestuft. Trifft denn hier nicht folgendes zu, und man wäre daher „nur“ noch eine kleine Kapitalgesellschaft?:
§ 267a (3) Keine Kleinstkapitalgesellschaften sind: 3. Unternehmen, deren einziger Zweck darin besteht, Beteiligungen an anderen Unternehmen zu erwerben sowie die Verwaltung und Verwertung dieser Beteiligungen wahrzunehmen, ohne dass sie unmittelbar oder mittelbar in die Verwaltung dieser Unternehmen eingreifen, wobei die Ausübung der ihnen als Aktionär oder Gesellschafter zustehenden Rechte außer Betracht bleibt.

Thomas
Thomas
9 Monate zuvor

Hallo Eduard,
§267a 3 hat ja 3 Unterpunkte. Bei den ersten beiden sehe ich das genauso wie Du, den Wortlaut des dritten hatte ich ja in meinen Kommentar oben reinkopiert und sehe da immer noch nicht, warum er nicht zutreffen sollte. Es steht in diesem letzten Punkt nicht drin, dass es für Dritte angeboten werden muss, und es wird auch nicht auf §1a des Gesetzes über Unternehmensbeteiligungsgesellschaften verwiesen.
Gruß, Thomas

Thomas
Thomas
9 Monate zuvor

Danke Eduard für’s Raussuchen des Haufe Kommentars. Dass eine Holding ein „typischer Anwendungsfall“ ist, schließt für mich nicht aus, dass es noch andere Anwendungsfälle gibt. Aber ja, auch wenn man „nur“ kleine Kapitalgesellschaft und nicht Kleinstkapitalgesellschaft ist, bringt das fast die gleichen Erleichterungen mit sich. Würde dann halt trotzdem sicherheitshalber lieber gleich die Vorschriften der kleinen Kapitalgesellschaft erfüllen, statt später mal Probleme zu bekommen weil man dann rückwirkend das anpassen muss.

Johann
5 Monate zuvor

Muss man in der Tabelle noch das GF-Gehalt angeben ?

Norbert_aus_Berlin
4 Monate zuvor

Hi Eduard,
bin bei Verlängerung der LEI auf Bloomberg gestoßen, da gibt es bei nur jährlicher Verlängerung einen bessern Price …. https://lei.bloomberg.com/docs/faq#what-fees-are-involved
Natürlich kommt wie überall natürlich bei Umsatzsteuerpficht noch die Steuer drauf. 😉
VG
Norbert

Jakob Kirschner
Jakob Kirschner
2 Monate zuvor

Was ist mit Müllgebühren? Bei uns werden für Gewerbe, auch wenn sie im eigenen Haus angesiedelt sind, 38,50€ pro Jahr fällig…

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