Prima, du hast deine Spardosen-GmbH erfolgreich und mit geringen Kosten gegründet! Du hast ein passendes Geschäftsdepot mit besonders günstigen Konditionen ausgewählt und deine vermögensverwaltende GmbH hat 5.000 Euro ihres Stammkapitals in Aktien investiert. Es fühlt sich für dich gut an, daß dir das Geld zwar nicht mehr gehört, du aber die volle Kontrolle darüber hast. Jetzt bleibt noch einwichtiges Thema für deine Vermögensverwaltende GmbH: Die Finanzierung optimal gestalten. Ich schaue mir mit dir die Optionen Stammkapital, Wertpapierkredit und Gesellschafterdarlehen an.

Finanzierung durch Erhöhung des Stammkapitals

Dein erster Gedanke ist vielleicht deine vermögensverwaltende GmbH durch Erhöhung des Stammkapitals zu finanzieren. Du erinnerst dich, dass wir unsere Spardosen-GmbH zunächst als UG mit einem Stammkapital von 7.000 Euro gegründet haben, um die Gründungskosten gering zu halten. Wenn du nun feststellst, dass dir deine eigene vermögensverwaltende GmbH gefällt, könntest du also auf die Idee kommen das Stammkapital zu erhöhen. Das hätte den Vorteil, dass damit die Bonität deiner Spardosen GmbH und damit letztendlich ihre Kreditwürdigkeit steigt. Der große Nachteil daran ist allerdings, daß eine Änderung des Stammkapitals eine sogenannte Satzungsändernde Maßnahme ist. Die Änderung der Satzung müsste nach § 54 Abs. 1 GmbHG notariell beurkundet (Kosten!) und im Handelsregister eingetragen werden (Kosten!). Solche vollkommen unnötigen Kosten wollen wir natürlich vermeiden, denn es gibt deutlich elegantere Möglichkeiten deine vermögensverwaltende GmbH zu finanzieren.

Finanzierung durch Wertpapierkredite

Allein schon dadurch, dass deine Spardosen GmbH in Aktien investiert hat verfügt sie über Sicherheiten, die sie für Wertpapierkredite verwenden kann. Das ideale Geschäftsdepot für deine vermögensverwaltende GmbH bietet Im Idealfall besonders günstige Konditionen für Wertpapierkredite an. Wenn du also deine ersten 5.000 Euro bereits in Aktien investiert hast, dann hast du die Möglichkeit einen Wertpapierkredit zu nutzen, um weitere Aktien zu kaufen. Du solltest allerdings deinen Wertpapierkredit zu maximal 50% ausnutzen und dafür vor allem sichere Dividendenzahler kaufen, deren Rendite die Kreditkosten übersteigt. Das Schöne an deiner vermögensverwaltenden GmbH ist, dass du die Kosten für den Kredit, also die gezahlten Zinsen, als Ausgaben geltend machen kannst. Das ist etwas wovon private Investoren nur träumen können. Mit deiner Spardosen GmbH ist das möglich.

Finanzierung durch Gesellschafterdarlehen

Eine weitere Möglichkeit deiner Vermögensverwaltenden GmbH Kapital für Investitionen zuzuführen ist ein Gesellschafterdarlehen. Bei dieser Gestaltung vergibst du als Gesellschafter ein Darlehen an deine GmbH und kassierst dafür Zinsen. Deine Spardosen GmbH kann die gezahlten Zinsen wieder als Ausgaben geltend machen. Ist das nicht genial? Dafür ist kein Gang zum Notar notwendig und auch keine Änderung im Handelsregister.

Du schließt lediglich einen Darlehensvertrag zwischen dir als Gesellschafter und der GmbH. Natürlich macht es keinen Sinn für das Darlehen an deine Spardosen GmbH einen hohen Zinssatz festzulegen. Du willst ja schließlich keine Zinseinnahmen, die du hoch versteuern musst. Das Kapital soll lieber möglichst lange in deiner Spardosen GmbH für dich arbeiten. Außerdem willst du die ganze Aktion möglichst unbürokratisch und mit möglichst geringem Aufwand für die Buchhaltung durchziehen.

Gesellschafterdarlehen richtig aufsetzen

Ich wähle in den Verträgen meiner Gesellschafterdarlehen daher eine Laufzeit von mindesten 10 Jahren, eine endfällige Tilgung und einen Zinssatz von 0,5% pro Jahr. Das hat den Vorteil, dass deine GmbH erst im letzten Jahr tilgen muss und bis dahin nur 0,5% Zinsen pro Jahr zahlen muss. Außerdem lege ich eine jährliche Zinszahlung zum 31.12. des Jahres fest. Damit beschränkt sich der Buchhaltungsaufwand für das Darlehen auf einen Buchungsvorgang pro Jahr.

Wichtig ist, dass der Vertrag für das Gesellschafterdarlehen ordnungsgemäß gestaltet ist, damit er vom Finanzamt anerkannt wird. Es gibt eine Reihe von Webseiten, die entsprechende Vertragsvorlagen kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr anbieten. Diese kannst du als Ausgangsbasis für deinen eigenen Darlehensvertrag verwenden.

Gesellschafterdarlehen an die Vermögensverwaltende GmbH
Gesellschafterdarlehen an die Vermögensverwaltende GmbH

Alternativ kannst du mein Beispiel für einen Darlehensvertrag günstig bei Digistore24 herunterladen. Der Beispielvertrag zeigt wie ich das Darlehen von Gesellschafter an die Spardosen GmbH umgesetzt habe.

Hast du weitere Ideen oder Fragen zur Finanzierung? Dann hinterlasse am besten einen Kommentar oder schreibe mir eine Mail.

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Perschon
Perschon
1 Jahr zuvor

Hallo Rückenwind-Team,
klar, mit einer Spardosen GmbH kann man gut die Steuern sparen. Ihre Artikel dazu sind wirklich sehr gut. Ob sich am Ende eine GmBH lohnt liegt aber auch an der Art wie ich das Gel aus der GmBH rausbekommen kann. Wie schlachtet man die Spardose um den Steuervorteil am Ende nicht zu verlieren? Ok. Man kann sich Gehalt zahlen lassen… was alles wieder Steuer und Abgaben (>25%)bedeutet…. Im Internet habe ich sehr viele wenns und abers gelesen… aber keine einzige „schwarz auf weiss“ Berechnung. Das stimmt mich zumindest nachdenklich. Hmm.. Lohnt sich das Gesamtprojekt/Konstrukt auch wenn man diese Exit-Kosten berücksichtigt? Könnten Sie bitte dazu was schreiben? Danke. Grüsse. Sebastian

Stefan
1 Jahr zuvor

Ich habe noch eine Frage zum Thema Kapitaleinbringung:
Wie schaut es aus wenn das ganze Privatvermögen bereits in Aktien angelegt ist. Im Privaten Bereich kann man z.B. einen kostenlosen Depotübertrag machen zu einem anderen Broker wenn man will. Wie ist das mit der Spardosen GmbH, sowohl bei der Gründung, als auch wenn man später noch Kapital hinzufügen will? Kann man Wertpapiere in das Geschäftsdepot übertragen so wie es im Privaten auch möglich ist?
Es wäre sehr ärgerlich, wenn ich erst Aktien verkaufen müsste (25 % Kapitalertragssteuer). Wenn ich diese direkt kostenlos in das Depot der GmbH führen kann würde ich da sehr viele Steuern sparen.

Paba
Paba
6 Monate zuvor
Reply to  Eduard

Hi – hier wird immer davon ausgegangen, dass das Depot bzw. Einzelwerte im Plus sind. Dabei hält der Fiskus auf jeden Fall die Hand auf. Wie sieht es aber aus, wenn das Depot bzw. Einzelwerte seit Kauf im Minus sind? Dabei sollte keine Steuer anfallen, oder? Einzige Voraussetzung: man bleibt unter 20 TEUR, da sonst Schenkungssteuer anfällt. Sehe ich das richtig?

Sprich, wenn das Depot bzw. Einzelwerte im Minus (seit Kauf, Ausschüttungen natürlich exkludiert) sind, kann ich alle 10 Jahre 20 TEUR steuerfrei in die Spardosen-GmbH einbringen. Falls es mehrere Teilhaber gibt – z.B. Ehepartner halten je 50% an der Spardose-GmbH – sind es sogar 40 TEUR / 10 Jahre (2x 20TEUR). Dies können entweder Geldwerte oder aber Beteiligungen (Aktien, etc.) sein. Danke für eine Validierung meines Verständnisses.

Last edited 6 Monate zuvor by Paba
Bernd
Bernd
8 Monate zuvor
Reply to  Stefan

In dem von Stefan beschriebenen Fall handelt es sich um einen Depotübertrag mit Gläubigerwechsel. D.h. hier fällt die Abgeltungssteuer (26,375%) auf jeden Fall an, was auch nachvollziehbar ist. Trotzdem hast Du den Vorteil, nicht verkaufen zu müssen um dann wieder zu kaufen, was Dir Aufwand und Transaktionskosten (und ggf. auch verpasste Kursgewinne) spart.
Genau das habe ich persönlich vor. Meine GmbH ist zur Zeit in Gründung, d.h. Notarvertrag ist durch, Anträge auf Eröffnung von Bankkonto und Depot als auch Anmeldung beim Gericht laufen.

Roland
Roland
1 Jahr zuvor

Muss das ein Gesellschafterdarlehen sein? Kann nicht jeder der Spardose GmbH einen einen Kredit (mit offiziellem Darlehensvertrag) geben? Wie regele ich das wohl am besten wenn ein Sohn Prokura erhalten soll (falls mir etwas passiert) und er gleichzeitig auch sein Geld in die Firma stecken wird?

Blubbel
Blubbel
1 Jahr zuvor

Ein DAX Mini Future mit einem Wert von rund 65.000 Eur hat Finanzierungskosten von unter 0%. Am besten man kauft einen Grundstock Aktien. Statt dann auf Marginkredit mehr Aktien zu kaufen, kaufe lieber Aktienfutures. Ergänzt man dann noch Gold und Treaury Futures kann man sein Risiko reduzieren (in Krisenzeiten verliert man auf Aktien aber gewinnt über den Trasury und Gold Future). Der Nachteil ist die GuV Realisation beim Future Roll alle 3 Monate.

Blubbel
Blubbel
1 Jahr zuvor
Reply to  Blubbel

Aktien mit geringer Vol plus Leverage bietet bei gleicher Rendite weniger Risiko also der Aktienmarkt im Durchschnitt. Wichtig ist es die Finanziergskosten gering zu halten. Möglich wäre z.B. 90% low vol Aktien plus 40% Short Puts, plus 20% Gold Future plus 200% trasury future. Der günstigste Marginkredit ist DEGIRO mit 1,25 über USD-Zins. Euro koststet 1,25 absolut und ca. 1,8% über Interbankenmarkt. Future kosten nur 0,2-0,4% Aufschlag.

Max
Max
11 Monate zuvor

Hallo Eduard,
danke für deine tolle Arbeit.
Könnte man ein endfälliges Gesellschafterdarlehen mit z.B. 15 Jahren Laufzeit geben, bei dem man den Zinssatz jährlich adjustiert und die Zinsen kapitalisiert werden? So könnte man quasi dann nach der Ansparphase den Kredit tilgen (steuerfrei) und die GmbH auflösen und hat so die Barriere GmbH Vermögen vs. privates Vermögen steuerfrei umgangen.
Danke und LG

Andi
Andi
11 Monate zuvor

Hi Eduard,

hast du mal mit dem Gedanken gespielt, das Gesellschafterdarlehen endlos und tilgungsfrei zu gestalten?
So lange du einen Mindestzins als Darlehensgeber erhebst, sollte man ja die Abzinsung durchs Finanzamt vermeiden können? Oder gibt es eine Möglichkeit eine Umschuldung am Ende der Laufzeit vorzunehmen, ohne das eingebrachte Kapital kurzzeitig aus der VV zu nehmen?

Gruß Andi

Robert
Robert
9 Monate zuvor

Hi Eduard, kurze Frage – ich spiele mit dem Gedanken deinem Modell zu folgen. Ein eigenes Handelssystem habe ich bereits und dies läuft mehreren Jahren durchaus zufriedenstellend (mit entsprechend hoher Steuerbelastung). Um dieses zu fahren würde ich direkt mit 50k loslegen wollen. Würdest du trotzdem zur UG raten und mittels des Kredit (Gründung 7K+ interner Kredit 43K = 50K) arbeiten oder macht dann eine direkte Stammeinlage von 50k mehr Sinn bzw. auch der Wechsel zur GmbH…?

Grüße
Robert

Robert
Robert
8 Monate zuvor
Reply to  Eduard

Wäre gerne dabei – leider bin ich zu spät und eine Anmeldung ist nicht mehr möglich

Lennart
Lennart
7 Monate zuvor

Es kann auch mit der Kapitalrücklage gearbeitet werden. Hierzu muss Geld in die Spardose eingezahlt und anschließend ein entsprechender Gesellschafterbeschluss gefasst werden. Dies sollte sich wesentlich weniger aufwändig gestalten, als die Gewährung eines Darlehens und die entsprechenden Einlagen können theoretisch später über das steuerliche Einlagekonto kapitalertragsteuerfrei entnommen werden, § 27 Abs. 1 S. 1 KStG in Verbindung mit § 20 Abs. 1 Nr. 1 S. 3 EStG. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass zuerst die erzielten Gewinne kapitalertragsteuerpflichtig zu entnehmen sind, § 27 Abs. 1 S. 3 KStG.

Andi
Andi
6 Monate zuvor

Hi Eduard,

hast du auch eine Tipp zum richtigen Kontieren des Gesellschafter-Darlehens in SKR04?

Danke und Gruß Andi

Andi
Andi
6 Monate zuvor
Reply to  Eduard

Alles klar, bin gespannt, wie du es gelöst hast.
Ich bin jetzt erstmal den Weg über ein Gesellschafter Rahmen-Darlehen gegangen.

Hank
Hank
3 Monate zuvor

Hallo Eduard,
sehr interessante Seite und Danke fürs teilen. Ich habe mich komplett durchgelesen und konzipiere meinen Masterplan. Macht es Sinn, dass man mit 7.000€ eine UG gründet und dann einen 20k – 30k€ Kredit gewährt oder empfehlt es sich direkt eine GmbH zu gründen?

Ich handele seit Jahren mit Optionen, Aktien und ETFs. Meine Strategie scheint bis jetzt ganz gut zu funktionieren. Handelst Du auch mit Option? Buchhalterisch wird da wahrscheinlich unterschiede geben, oder? Hab gesehen, dass der inner Circle geschlossen ist. Kannst Du abschätzen, wann ihr neue Mitglieder nehmen wollt?

Jens
Jens
2 Monate zuvor
Reply to  Hank

Hallo Hank, hallo Edurad,

ich werde Anfang 2021 eine GmBH gründen. Ich selbst handele mit Aktien, Optionen, Futures und Futureoptionen.

Ich überlege auch, wie ich mein Kapital am geschicktesten in die GmbH bekomme. Die vorhandenen Aktien verkaufen, beschert mir eine ordentliche Steuerlast. Aber ich werde wohl nicht drum herum kommen, da ich ich für meinen Handel entsprechendes Kapital benötige (6-stellig).

Gruß Jens

Bernhard
Bernhard
2 Monate zuvor

Angenommen, Du hast Deine UG (haftungsbeschränkt) mit EUR 7000 Stammkapital gegründet. Du möchtest aber EUR 50000 anlegen. Nun machst Du nicht eine Kapitalerhöhung (wegen der Notarkosten), sondern gibst Deiner UG einen Kredit über EUR 43000. Sagen wir, Du legst EUR 40000 von den EUR 50000 in Aktien an.

Nun kommt es gelegentlich vor, dass Aktien an Wert verlieren, z.B. 20%. Deine Aktien, die Du für EUR 40000 gekauft hast, sind dann nur noch EUR 32000 wert. Für einen langfristigen Anleger (>30 Jahre Horizont) nicht notwendigerweise das Ende der Welt.

Für die UG schon. Die ist nämlich jetzt bilanziell überschuldet.

Vor dem Kursverlust:
Aktiva:
EUR 10000 cash
EUR 40000 Aktien

Passiva:
EUR 7000 Stammkapital
EUR 43000 Kredit von Eduard

Nach dem Kursverlust:
Aktiva:
EUR 10000 cash
EUR 32000 Aktien

Passiva:
EUR 7000 Stammkapital
EUR -8000 Kapitalfehlbetrag
EUR 43000 Kredit von Eduard

Nun greift §19 Abs 2 Insolvenzordnung. Wenn Du Deinen Kredit an die UG ausdrücklich als „nachrangig“ vereinbart hast, dann geht es vielleicht noch. Auch kannst Du argumentieren, dass Du wegen der langen Laufzeit des Kredites höchstwahrscheinlich die UG fortführen kannst.

Wenn die UG aber gleichzeitig noch andere Verbindlichkeiten hat, dann wird es kompliziert, und Du musst aufpassen, dass Du nicht versehentlich Insolvenzverschleppung begehst.

Was ist Eure Position zu dieser Möglichkeit?

blubbel
blubbel
1 Monat zuvor
Reply to  Bernhard

Ein Gesellschafterdarlehn in Verbindung mit einem Aktiencrash führt nicht zur Überschuldung, weil das Gesellschafterdarlehn im Rahmen der Überschuldungsrechnung nicht als Verbindlichkeit zählt (1).

Die Kombination von Gesellschafterdarlehn und Wertpapierkredit birgt das Risiko einer Überschuldung. Die maximal (vernünftige) Höhe des Wertpapierkredits ist abhängig von (i) dem möglichen Verlust des Portfolios, (ii) der Höhe des Eigenkapitals der Gesellschaft und (iii) der Höhe verfügbarer liquider Mittel auf Ebene des Gesellschafters.

AUSFÜHRUNGEN
(1) Verbindlichkeiten mit Rangrücktritt sind zwar steuerrechtlich und handelsrechtlich Verbindlichkeiten, bleiben jedoch bei der Ermittlung der Verbindlichkeiten im Rahmen der Überschuldungsberechnung unberücksichtigt. Eine positive Fortführungsprognose muss damit noch nicht erstellt werden.
Gesellschafterdarlehn unterliegen dem Rangrücktritt per Gesetz. Ich würde den Rangrücktritt dennoch zusätzlich ordnungsgemäß vertraglich vereinbaren, weil ich plane diese Forderung später meinen Kindern zu schenken. Gem. § 19 Abs. 2 Satz 2 InsO setzt die Nichterfassung im Überschuldungsstatus voraus, dass der Gesellschafter einen ausdrücklichen Rangrücktritt hinter die nachrangigen Verbindlichkeiten des § 39 Abs. 1 InsO vereinbart hat. Dies sollte dementsprechend im Kreditvertrag berücksichtigt werden.

(i) Zur Berechnung des maximal möglichen Verlusts des Portfolios würde ich einen Blick in die Vergangenheit werfen, um realistische Annahmen für den vorübergehenden Marktwertverlust zu schaffen. Die Erfahrungen seit dem Jahr 2000 zeigen, dass man für den Dax mit einem vorübergehenden Drawdown von 80% und für den S&P mit einem Drawdown von 50% rechnen sollte. Durch Beimischung negativ korrelierter Assetklassen (Treasury Futures, ggf. noch etwas Gold Futures) lässt sich der Drawdown etwas verringern. Den Drawdown kann man für sein Portfolio konkret schätzen. Für dieses Beispiel aber nehmen wir nachfolgend einen möglichen Drawdown von 80% an.

WERTPAPIERKREDIT IST EIN SCHÖNWETTERKREDIT
Bei 80% Drawdown haben wir nur noch 20% Wertpapiersicherheiten, um unseren Wertpapierkredit zu besichern. Zusätzlich wird der Broker zu diesem Zeitpunkt (Krise und alle haben Panik) die Beleihungsgrenzen (z.B. von 70% auf 30%) anziehen. Vor der Krise können können wir mit 30.000 EUR Eigenkapital bis zu 100.000 EUR Aktien kaufen, denn 70% von 100.000 ergibt einen Kredit von 70.000 EUR. In der Krise sind unsere Aktien dann nur noch 20.000 EUR Wert und dienen als Sicherheit für einen Kredit in Höhe von maximal 30%*20.000 = 6.000 EUR.
Wertpapierkredite sind sehr günstig (1,25% bei Degiro, 2,5% bei Captader), stehen aber keine Crashs durch. Die ING bietet aber 10.000 EUR Dispo und 25.000 EUR Rahmenkredit an. Diese Kredite sind täglich abrufbar. Vor Abruf sind die Kreditzusagen kostenlos, nach Abruf mit 5% bzw. 6% Zinsen teuer.
Im Portfolio habe ich die Möglichkeit einen Wertpapierkredit in Höhe von 35.000 EUR aufzunehmen oder Optionen im Wert von 35.000 EUR zu schreiben oder Future mit einem Drawdown von 35.000 EUR long zu gehen. Im Crash löse ich den billigen Wertpapierkredit (1,25%) ab durch meinen teuern Rahmenkredit. Anschließend beantrage ich einen Konsumentenkredit mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Volumen von 65.000 EUR für 3-4%. Nach Genehmigung des Konsumentenkredits (dauert 2-5 Wochen) zahle ich meinen Dispo- und meinen Rahmenkredit zurück. Es bleiben mir 30.000 EUR übrig, die ist jetzt sehr günstig in den Aktienmarkt stecken kann. Wenn sich der Aktienmarkt erholt (3-24 Monate) sondertilge ich meinen 65.000 EUR Komsumentenkredit.

(ii) Eine Überschuldung (Vermögen < Schulden) gilt es zu vermeiden. Der Marktwertverlust des Portfolios darf die Summe aus Eigenkapital und Verbindlichkeiten mit Rangrücktritt nicht überschreiten. Der Wertpapierkredit der GmbH darf die liquiden Mittel des Gesellschafters nicht wesentlich überschreiten:

GmbH / UG vor Crash
100.000 Aktien

10.000 Eigenkapital
50.000 Gesellschafterdarlehn
40.000 Wertpapierkredit

GmbH / UG nach Crash & Erhöhung Gesellschafterdarlehn um 35.000 & Rückführung Wertpapierkredit
20.000 Aktien

85.000 Gesellschafterdarlehn
5.000 Wertpapierkredit
-70.000 Eigenkapital
Hier liegt noch keine Überschuldung vor, weil 20.000 EUR in Aktien > 5.000 EUR Wertpapierkredit.

Bernhard
Bernhard
6 Tage zuvor
Reply to  blubbel

Vielen Dank, so etwas sollte man wissen, bevor man die Veträge macht! Ich sehe schon, hier lernt man nie aus !!

Stephan
Stephan
1 Monat zuvor

Hallo Robert,
toller und sehr verständlicher Artikel, vielen Dank!
Was ist die Erfahrung zu den erwähnten 0,5% Darlehenszinsen? Akzeptiert das Finanzamt diese Zinshöhe? Müssen da Vergleichsangebot vorgelegt werden zum Nachweis, dass es marktgerecht ist? Schließlich sieht §352 HGB einen Zinssatz von 5% vor, der Zinssatz für Steuerzahlungen beträgt nach § 233a AO sogar 6%.
Viele Grüße
Stephan

blubbel
blubbel
1 Monat zuvor

Die Finanzierung per Gesellschafterdarlehn ist eine gute Idee.

Wenn man Kinder hat, lassen sich noch mehr Steuer sparen. Ich leihe meiner Gesellschaft Geld, die mir dafür Zinsen zahlt. Ich verschenke diese Forderung dann an mein minderjähriges Kind ohne Einkommen. Es ist eine Abtretung mit dem Rechtsgrund einer Schenkung. Für die GmbH handelt es sich um steuermindernden Zinsaufwand. Mein Kind hat zumindest einen Freibetrag für Zinserträge i.H.v 801 oder mit Nichtveranlagungsbescheinigung noch mehr.

Konrad
Konrad
1 Monat zuvor

Wie verhält sich der Fall, wenn ich in meine Spardosen-GmbH eine Firmenbeteiligung einbringen möchte – worauf muss ich achten? An einer GmbH halte ich 65 und an der anderen 45 Prozent? Vielen Dank! Konrad

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